Asylbewerber und Flüchtlinge in Kronshagen – was wollen wir in Zukunft tun?

Es ist ein Gebot der christlichen Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit Flüchtlingen bei uns Schutz zu bieten und sie in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir wissen, daß dies auch grundsätzlich von einer sehr breiten Mehrheit in unserem Land so gesehen und unterstützt wird.


Die stark ansteigenden Flüchtlingszahlen stellen uns jedoch vor erhebliche Probleme vor Ort. Die in jeder Kommune unterzubringenden Flüchtlingszahlen werden nach der Zahl der Einwohner verteilt und dies unabhängig davon, ob es noch freien Wohnraum in der Gemeinde gibt oder nicht. Die Zahl für Kronshagen ist gerade vor wenigen Wochen von 18 auf 37 pro Jahr erhöht worden. Derzeit sind 54 Flüchtlinge und Asylbewerber in Kronshagen untergebracht. Da wir davon ausgehen müssen, daß die Konflikte in der Welt noch längere Zeit andauern werden, bedeutet das, dass die Zahl 37 sich in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich nicht verringern wird.

 

Es ist Konsens, daß wir diesen Flüchtlingen menschenwürdige Unterkünfte zur Verfügung stellen wollen, Containerlösungen wie in den 90-er Jahren sind für uns nicht mehr akzeptabel. Wir haben uns fraktionsübergreifend darauf verständigt, neuen Wohnraum in Massivbauweise zu errichten, der sich in die umgebende Bebauung möglichst einfügt und daran anschließend einer Nachnutzung z.B. als Sozialwohnung oder Studentenwohnung zugeführt werden kann. Nur so lassen sich die damit verbundenen erheblichen finanziellen Invstitionen vertreten. Natürlich versucht die Gemeinde, zunächst freien Wohnraum innerhalb Kronshagens anzumieten oder in gemeindlichen Häusern zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grunde hat die Gemeinde auch die im vergangenen Jahr für die Umsetzung der Ortskernentwicklung erworbenen Elac-Häuser nach dem Auszug etlicher Altmieter mit Flüchtlingen und Asylbewerbern neu belegt. Dies kann natürlich keine Dauerlösung sein, aber es macht Sinn, vorhandenen Wohnraum zu nutzen, bevor teuer an anderer Stelle neu gebaut werden muß. Zumal natürlich ein Neubau immer auch Zeit in Anspruch nimmt, bevor dieser zur Nutzung zur Verfügung steht. Umso wichtiger ist es deshalb, jetzt zügig an anderer Stelle den (auch sozialen) Wohnungsbau voranzutreiben, damit möglichst schnell den verbliebenen Altmietern in den Elac-Häusern Alternativwohnungen angeboten werden können.

 

Grundsätzlich haben wir uns in der Gemeindepolitik nach dem bewährten Konzept aus den 90-er Jahren, wo wir bereits eine erhebliche Zahl an Flüchtingen und Asylbewerbern in Kronshagen unterzubringen hatten, auf eine dezentrale Unterbringung an vielen über das Gemeindegebiet verteilten Standorten verständigt.Die Kommunalpolitik hat alle in Frage kommenden Standorte in einer Prioritätenliste geordnet.

 

So fassen wir derzeit als neue Standorte die bereits in den 90-er Jahren genutzten Standorte wieder ins Auge. Hinzu kommt als weiterer möglicher Standort die Bürgermeister-Drews-Straße in Betracht. Definitive Entscheidungen hat es hierzu bislang aber noch nicht gegeben, hierzu würde es jeweils eine öffentliche Beteiligung der betroffenen Anwohner geben.

 

Beschlossen wurde allerdings, in Kaufverhandlungen für das Grundstück Johann-Fleck-Straße 1 (ehemaliger Aldi) einzutreten, um es als möglichen weiteren Standort zur Verfügung zu haben.  Die gerüchteweise im Umlauf befindliche Zahl von 80 Asylbewerbern ist vollkommen unrealistisch und widerspräche auch unserem Grundsatz der dezentralen Unterbringung.


Ebenfalls beschlossen haben wir, ein Einfamilienhaus im Grenzweg zu sanieren und dort möglichst eine Flüchtlingsfamilie unterzubringen.


Neben der dezentralen Unterbringung ist es uns wichtig, in Kronshagen nach dem Beispiel einiger anderer Städte und Gemeinden eine ehrenamtliche Betreuung der Flüchtlinge zu ermöglichen. Diese teils schwer traumatisierten Menschen können wir nicht einfach nur in Unterkünfte einweisen und sich dann sich selbst überlassen. Sie sind Bestandteil unserer Gemeinde und müssen sich dazugehörig fühlen können. Dazu ist neben hauptamtlichen Betreuern in Kronshagen ein „Arbeitskreis Asyl“ gegründet worden, dessen Mitglieder aus Politik, Kirchen, Vereinen und Verbänden sich ehrenamtlich um die Betreuung der Flüchtlinge und Asylbewerber kümmern werden. Dazu gehören natürlich auch Sprachkurse, um sich bei uns verständigen zu können. Dies halten wir für ganz entscheidend für eine gelingende Integration.

Die finanziellen Belastungen für die Gemeinde Kronshagen sind ohne Frage erheblich. Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, daß die Landes- und die Bundesregierung die Kommunen hierbei nicht im Regen stehen lassen, sondern die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen als nationale Aufgabe ansehen, für die die Kommunen finanziell entsprechend ausgestattet werden müssen. Wenn wegen finanzieller Belastungen Leistungen in der Kommune gestrichen oder Steuern erhöht werden müssten, könnte dies zu Unmut in der Bevölkerung führen und das Geschäft von politischen Extremisten fördern.


Ebenfalls sehen wir die Landes- und Bundespolitik in der Pflicht, angesichts der stark steigenden Zahl von Flüchtlingen die Dauer der Asylverfahren zu beschleunigen.